Outsourcing und warum es nicht immer schlecht ist

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Outsourcing ist besonders bei Managern immer wieder ein beliebter Begriff. Wenn die eigenen Mitarbeiter das gewünschte Arbeitspensum nicht schaffen, dann wird das nächste Projekt outgesourced. Wenn die Mitarbeiterkosten zu sehr steigen, wird outgesourced. Ist Outsourcing deshalb schlecht?

Warum Outsourcing nicht unbedingt schlecht ist

Nein. Denn Outsourcing an sich bedeutet nur, dass man sich zusätzliche Mitarbeiterressourcen einkauft. Der Vorteil besteht darin, dass kurzfristig zusätzliche Ressourcen genutzt werden können, ohne sich langfristig zu binden. Wenn man für ein wichtiges Projekt 20 neue Mitarbeiter einstellen würde, hätte man das Problem, diese 20 Mitarbeiter nach Ende des Projektes weiter zu beschäftigen. Natürlich muss das Projekt nach Fertigstellung in der Regel auch noch weiter betreut werden. Jedoch gibt es besonders im Web-Umfeld häufig den Fall, dass neue Projekte experimentell sind. Niemand weiß ob sie wirklich den gewünschten finanziellen Erfolg bringen. In der Praxis kommen auf zehn neue Ideen mindestens neun Misserfolge. Dafür neue Mitarbeiter einzustellen, nur um sie wieder zu entlassen, nachdem sich das Projekt als nicht tragfähig erwiesen hat wäre nicht sehr vorraus schauend. Und genau da liegt eben die Stärke vom Outsourcing.

Warum so viele Großprojekte scheitern

Stuttgart 21, die Elbphilharmonie in Hamburg, der neue Berliner Flughafen, … Paradebeispiele für Großprojekte, welche gegen die Wand gefahren sind. Was hat das mit Outsourcing zu tun? Eine Menge. All diese Projekte wurden auch an fremde Firmen ausgelagert. Aber warum sind diese Projekte so grandios gescheitert, während zum Beispiel in Dubai mit dem Burj al Arab in nur fünf Jahren eine komplette Insel und das (damals) größte Hotel der Welt auf die Beine gestellt wurde? Ganz einfach: entscheidend ist WER das Projekt umsetzt.

Für das Burj al Arab wurden nicht einfach irgendwelche Firmen genommen. Man hat die Besten ihres Fachs verpflichtet. Nur so war es möglich etwas scheinbar unmögliches auf die Beine zu stellen. Während dessen in Deutschland die Projekte ausgeschrieben wurden. Und den Zuschlag hat die Firma bekommen, die am günstigsten war. Ob die Baufirma bisher vielleicht nur einen kleinen Sportplatz für die Schule um die Ecke gebaut hat und für ein Großprojekt vielleicht nicht ansatzweise die notwendige Expertise hat, das interessiert dabei nicht. Sie hat das niedrigste Gebot abgegeben und damit gewonnen. Da hilft auch keine Vertragsstrafe. Wie soll eine Firma mit liquiden Mitteln in Höhe von einer Million, die auch noch direkt in den Bau investiert werden, eine Vertragsstrafe von 10 Millionen begleichen? Im Zweifel geht sie einfach in Insolvenz. Also unterschreibt diese Firma auch problemlos den Vertrag für das Großprojekt. Das das notwendige technische Know-How fehlt zeigt sich jedoch schon bald und das gesamte Bauvorhaben gerät ins stocken.

Outsorcing? Wenn dann richtig

Genau wie bei der Baufirma geht es um zwei wichtige Dinge, die eine Outsourcingfirma haben muss:

1. Erfahrung mit Aufträgen in der entsprechenden Größenordnung

Ein Projekt mit einem Umfang von 10 Personentagen ist eine ganz andere Hausnummer als ein Projekt mit 100 oder gar 1.000 Personentagen an Entwicklungsaufwand. Das Problem besteht weniger in der vorhandenen Manpower, sondern vor allem am notwendigen Projektmanagement. Je größer Projekte werden, um so komplexer werden sie und um so größer werden Schätzfehler. Hier hilft entsprechende Erfahrung sinnvolle und genauere Schätzungen über Aufwände und Kosten abzugeben. Ebenso müssen Projekte, um so größer sie werden um so genauer geplant werden, damit die Schätzfehler geringer werden. Und auch dieser zusätzliche Planungsaufwand muss wiederum mit in die Gesamtschätzung einfließen.

Denn was nützt es, wenn die Firma ein super günstiges Angebot abgibt und am Ende gar nicht in der Lage ist, zu diesem Preis zu liefern? Entweder sie gibt ganz auf und auf beiden Seiten ist sehr viel Betreuungs- und Planungsaufwand für die Katz. Oder sie bringt das Projekt irgendwie zu Ende. Was jedoch in der Regel zu Lasten der Qualität geht. Sprich das Projekt wird einfach irgendwie auf Biegen und Brechen zu einem Ende gebracht. Von schön kann am Ende aber sicher nicht die Rede sein. Die Folgekosten um diesen schlechten Programmcode zu warten übersteigen die gesparten Kosten des ersten schlechten Durchlaufes deutlich.

2. Das notwendige technische Know-How um das Projekt auch adequat umzusetzen

Besonders im Webumfeld bei Enterprise-Anwendungen wird auch ein hohes Maß an technischem Know-How benötigt. Moderne Technologien wie Zend, Doctrine oder Responsive Design erfordern eine Menge Erfahrung und viel Praxis, bis sie sauber und effizient eingesetzt werden können. Eine Firma, die bisher vorrangig Projekte mit WordPress realisiert hat, wird sicher kein sinnvolles Projekt auf Basis von Zend oder eine saubere Seite mit Responsive Design umsetzen können. Man kann eine Firma mit solch einem Projekt beauftragen. Was man jedoch geliefert bekommt wird eher einem Trauerspiel gleichen und nichts, was man langfristig verwerten kann.

Fazit

Auch wenn ich viele Punkte aufgezählt habe, die gegen Outsourcing sprechen, so ist Outsorcing per se nichts schlechtes. Das Beispiel des Burj al Arab zeigt es, dass Fremdfirmen auch grandiose Dinge hervorbringen können, die Inhouse eventuell nie möglich gewesen wären. Jedoch sollte man dabei immer auf die Qualität schauen. Man sollte versuchen sich die Besten ins Haus zu holen. Denn die gesparten Kosten einer unerfahreneren und kleineren Firma zahlt man schnell wieder drauf, wenn man das Projekt später um so aufwändiger warten und anpassen muss.